Forderungen revisited

Was wurde eigentlich aus unseren Forderungen für eine klimagerechte Schule 2024?

Februar 2024

 

14 Forderungen der Teachers for Future Österreich für eine klimagerechte Schule 2024

Ökologisierung des Schulalltags – revisited

Anfang 2024 haben wir uns angesehen, bei welchen unserer Forderungen aus dem Jahr 2020 Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen passiert sind. Unterhalb findest du zu jeder der 7 Forderungen zur Ökologisierung des Schulalltags eine Analyse, was sich seit 2020 getan hat und was noch zu tun ist.

 

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Klimabeauftragte an jeder Schule - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Um den ökologischen Wandel schulautonom umsetzen zu können, braucht es Koordination an jedem Schulstandort. Zu diesem Zweck ist an jeder Schule ein Klimabeauftragter bzw. eine Klimabeauftragte zu ernennen, der/die in dieser Funktion auch ausgebildet sowie entlohnt wird. Die/der Klimabeauftragte muss in alle relevanten Maßnahmen an der Schule (Beschaffungswesen, Schulentwicklung, bauliche Veränderungen, Lehrplanänderungen, Veranstaltungen, …) eingebunden werden und hat ein Vetorecht, sollten klimaschädigende und ökologisch bedenkliche Entscheidungen getroffen werden. Wir fordern eine*n Klimabeauftragte*n an jeder Schule, der/die mit Budget und Entscheidungsbefugnis ausgestattet ist.

Was hat sich seit 2020 getan? Anna resümiert, was inzwischen geschehen ist: Auf Initiative von Teachers for Future hat die Bildungsdirektion Wien schon 2021 begonnen, ein Netzwerk für Klimabeauftragte an Schulen aufzubauen. Heute sind an Wiener Schulen bereits rund 50 Klimabeauftragte damit beschäftigt, Schulen klimaneutral zu machen und Klimabildung voranzutreiben. Sie werden von einer Koordinatorin in der Bildungsdirektion unterstützt und im neuen Dienstrecht über PD-Stunden bezahlt. Wir sind sehr stolz auf dieses mehrfach preisgekrönte Projekt! Auch in anderen Bundesländern tut sich etwas: Die Bildungsdirektion Vorarlberg hat vor einem Jahr ebenfalls beschlossen, ein Netzwerk an Klimabeauftragten aufzubauen. Zu dieser Forderung können wir also sagen: Sie wurde bereits teilweise umgesetzt! Anna resümiert, was inzwischen geschehen ist Und jetzt? Lies weiter >>

Was hat sich seit 2020 getan? Anna resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Auf Initiative von Teachers for Future hat die Bildungsdirektion Wien schon 2021 begonnen, ein Netzwerk für Klimabeauftragte an Schulen aufzubauen. Heute sind an Wiener Schulen bereits rund 50 Klimabeauftragte damit beschäftigt, Schulen klimaneutral zu machen und Klimabildung voranzutreiben. Sie werden von einer Koordinatorin in der Bildungsdirektion unterstützt und im neuen Dienstrecht über PD-Stunden bezahlt. Wir sind sehr stolz auf dieses mehrfach preisgekrönte Projekt! Auch in anderen Bundesländern tut sich etwas: Die Bildungsdirektion Vorarlberg hat vor einem Jahr ebenfalls beschlossen, ein Netzwerk an Klimabeauftragten aufzubauen. Zu dieser Forderung können wir also sagen: Sie wurde bereits teilweise umgesetzt!“

Was bleibt zu tun? Wir sagen: 

Klimabeauftragte sowie eine Koordinationsstelle für sie sollte es in jedem Bundesland geben! Und klarerweise muss so eine wichtige Tätigkeit auch bezahlt werden, egal, in welchem Dienstrecht jemand entlohnt wird.

Autofreie Schulwege fördern - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Der Individualverkehr und mit ihm die vielen „Elterntaxis“ tragen maßgeblich zum Klimawandel bei, verringern die Luftqualität, gefährden die Sicherheit anderer Kinder am Schulweg und verhindern nebenbei die für Kinder so notwendige körperliche Bewegung. Wir fordern die Förderung von autofreien Schulwegen. Das passiert im Idealfall dadurch, dass vor Schulen weitgehend autofreie Zonen (z.B. die etablierten Schulstraßen) geschaffen und sichere Radwege gebaut werden. Ein Teil der Lösung können außerdem Carsharing-Konzepte sein. Wenn autofreie Anreisen möglich sind, müssen Parkplätze vor Schulen und im Schulbereich zurückgebaut werden. Frei werdende Flächen in und vor Schulen können für Grünflächen, Bäume, Spielplätze etc. genutzt werden. Wir fordern für jede Schule gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Anbindung, Frequenz etc.) sowie sichere Schulwege für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS-Lehrer Reinhard resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS-Lehrer Reinhard resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Von einer Mobilitätswende kann keine Rede sein: Die Nutzung des öffentlichen Verkehrs bedingt eine gute Anbindung von Schulen; das Fahrrad wird eher selten genutzt (am Wiener Gymnasium Geblergasse von unter 1 % der Schüler*innen) – es ist schlicht zu gefährlich. Eine Verkehrsberuhigung wäre vor Schulen dringend nötig, erfordert aber großen organisatorischen Aufwand: Schulstraßen müssen etwa in Wien selbst per Absperrung organisiert werden – dies wurde bislang (Stand Juni 2022) nur in 8 Wiener Schulen umgesetzt. Was die Umgestaltung von Schulvorplätzen betrifft, ist die Lokalpolitik träge und oft nur oberflächlich mit Schulen in Kontakt.“

Was bleibt zu tun? Wir sagen: 

Eine verpflichtende Mobilitätserhebung sollte an jeder Schule durchgeführt werden; daran anknüpfend soll die Lokalpolitik einen Maßnahmenplan (z.B. effektive Verkehrsberuhigung, temporäres Fahrverbot vor Schulen, etc.) anhand von Stellungnahmen von Expert*innen vorlegen.

Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Die Verbrennung fossiler Energieträger ist hauptverantwortlich für die enorm hohen Treibhausgasemissionen und den ständig steigenden CO2 Gehalt in der Atmosphäre. Um die Unabhängigkeit von Erdöl, Erdgas und Kohle zu erreichen, muss der Energiebedarf gesenkt und parallel dazu auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Schulen weisen sowohl im laufenden Betrieb als auch bei Schulveranstaltungen ein hohes Einsparungspotential auf. Die Betreiber der Schulgebäude (Gemeinden, Länder, BIG, Orden, Private) und die Direktionen müssen gemeinsam Maßnahmen für die Unabhängigkeit von Erdöl, Erdgas und Kohle umsetzen. Weder für den Betrieb der Schulgebäude noch für den Unterricht darf die Verwendung fossiler Energieträger erlaubt sein. Das bedeutet Maßnahmen zur Energieeinsparung, Umstieg auf 100% erneuerbare Energieträger und Prüfung schulautarker Energieversorgung. Wir fordern die Unabhängigkeit der Schulen von fossilen Energieträgern.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Milan resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Milan resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Laut „klimaaktiv“ sind 50 % der Schulgebäude sanierungswürdig, eine Offensive der Erneuerbaren läuft aber nur schleppend an. Beispiele aus unserem Umfeld unterstreichen das: Viele Schulen besitzen keine Thermostate und es wird uns von Standorten berichtet, wo sich die Heizausgaben im letzten Jahrzehnt verdoppelt haben. Gleichzeitig wird die Installation von PV-Anlagen nicht immer ermöglicht: Mein Direktor setzt sich schon seit einiger Zeit für eine PV-Anlage auf dem Schuldach ein – bisher vergebens. Hoffnung gibt uns der 2023 vorgestellte 5-Punkte Plan der Bundesimmobiliengesellschaft und des BMBWF – ein Plan, der aber wenig zu Sanierungen beinhaltet.“

Der 5-Punkte-Plan für Schulgebäude:

  • Ziel ist es, Dachflächen wenn möglich vollflächig für Photovoltaik nutzbar zu machen und somit den Stromverbrauch der Objekte mit alternativen Energien kostengünstig zu decken. Zukünftig soll jedenfalls jeder Schulneubau mit Photovoltaik-Anlagen, wo immer es technisch und wirtschaftlich möglich ist, ausgestattet werden.
  • Durch ein bewährtes Energieeinspar-Contracting und eine energieoptimierte Betriebsführung soll durchschnittlich 20 Prozent an Strom und Wärme eingespart werden, was wiederum eine Einsparung von rund 7.000 Tonnen CO2 pro Jahr bedeutet.
  • Um die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu forcieren, werden alle Neubau- und Sanierungsprojekte zukünftig mit alternativen Technologien zur Wärme- und Warmwasserversorgung ausgestattet.
  • Die BIG erarbeitet Wettbewerbs- und Vergabegrundlagen, wo auch ökologische Effekte neben den klassischen wirtschaftlichen Parametern Berücksichtigung finden.
  • Ab sofort wird für Neubauten als Zielwert der „klimaaktiv Gold Standard“ angestrebt.

Was bleibt zu tun? Wir sagen: 

Der 5-Punkte Plan muss im Eiltempo umgesetzt werden und um eine Sanierungsoffensive sowie echte Anreize zum Energiesparen ergänzt werden.
Für motivierte Schulleitungen soll es eine konkrete Anlaufstelle geben, die über PV-Anlagen und Energieeffizienz berät und bei der Umsetzung unterstützt.

Klimaschonende Schulreisen - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Schulreisen leisten einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen und ermöglichen bereichernde Erlebnisse. Um die von der EU gesetzlich vorgegebenen Klimaziele erreichen zu können, und um auch die Lehrplanziele praktisch umzusetzen, müssen Schulveranstaltungen allerdings ausschließlich mit terranen Verkehrsmitteln durchgeführt werden d.h. auf Flugreisen ist zu verzichten. Nachhaltige Angebote bei Unterkunft, Verpflegung und Aktivitäten werden bevorzugt. Das Programm der Schulreise orientiert sich am möglichst geringen Ausstoß von CO2. Wir fordern klimaschonende Schulreisen.

Was hat sich seit 2020 getan? Marion, Evi und Doris resümieren, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? Marion, Evi und Doris resümieren, was inzwischen geschehen ist: „Im neuen Lehrplan steht als übergeordnetes Ziel: „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung muss als allgemeines Anliegen und Leitidee an der ganzen Schule gesehen werden.“ Eine Wende hin zu terranem, klimaschonendem Reisen zeichnet sich aber nicht ab – Faktoren wie das Prestige von Fernreisen für Gymnasien und die Gewohnheit, all-inclusive-Flugreisen von Reisebüros zu buchen, verhindern einen Umstieg. Obwohl Flugreisen 30x mehr Emissionen als Zugreisen erzeugen, werden sie bei Sprachreisen nach wie vor bevorzugt. Diese Emissionen sind leicht vermeidbar. Einzelne Lehrkräfte setzen aber bereits terranes Reisen um und zeigen damit, dass sie den Bildungsauftrag für nachhaltige Entwicklung ernst nehmen. „

Was kann sofort passieren? Wir sagen:

Günstige Gruppentarife bei den ÖBB und bei Reisebüros (wie z.B. das neue Angebot „Jugend nach Brüssel“) und erhöhte Planbarkeit durch frühere Buchungen würden es für engagierte Lehrer*innen einfacher machen, klimafreundliche Schulreisen zu organisieren.

Klimagerechtes Buffet - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Viele Schulbuffets bieten nicht nur ungesundes Essen und verursachen Unmengen an Abfall, sondern tragen mit ihrem wenig nachhaltigen Angebot auch darüber hinaus zur Klimakrise bei. Eine weitgehend fleischlose, regionale und saisonale Ernährung sowie die Reduktion bzw. Mehrfachnutzung von Verpackungsmaterial sind deshalb wichtig. Übriggebliebene, noch essbare Lebensmittel sollten am Ende des Tages von den Buffetbetreiber*innen nicht weggeworfen, sondern in Zusammenarbeit mit Foodsharing-Initiativen verteilt werden. Wir fordern, dass Schulbuffets nach den Kriterien ökologischer Nachhaltigkeit geführt werden. Die Verantwortlichen haben geeignete Vorgaben für Schulkantinenbetreiber*innen zu erlassen und durch geeignete Fördermaßnahmen zu unterstützen.

Was hat sich seit 2020 getan? VS -Lehrerin Karina resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? VS -Lehrerin Karina resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Von nachhaltiger Ernährung sind wir in Wiener Volksschulen weit entfernt. Da sich die Schulen bei der Bestellung nicht an die Vorgaben von Ernährungsberater*innen halten und mehrmals die Woche Fleischgerichte anbieten, führte Bildungsstadtrat Wiederkehr einen (einzigen!) verpflichtenden Veggie-Day ein – viel zu wenig! Auch bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen gibt es Kurioses zu berichten: Nach langjährigem Bitten konnte unsere Direktorin im Herbst 2022 davon überzeugt werden, eine Kooperation mit einer Food-Sharing-Initiative aufzunehmen, die übriggebliebene Lebensmittel abholte. Das musste bereits im Jänner abgestellt werden und nun gibt es einen Erlass, der die Abgabe von Lebensmittelresten gänzlich untersagt. Hier gibt es also mehr Rückschritt als Fortschritt.“

Was sollte passieren?

Die Menülinien werden von Expertinnen für 4 Wochen erstellt und müssen auch so übernommen werden. Dabei sollte eine Menülinie vegetarisch oder, besser noch, vegan sein.
Übrig gebliebene Menüs können dem Personal kostenfrei angeboten werden und danach über Food-Sharing weitergegeben werden.

Müllvermeidung und Mülltrennung - revisited

Das fordern wir seit 2020:

An vielen Schulstandorten wird Mülltrennung nicht korrekt durchgeführt – ein trauriger Missstand, der auch mit sich bringt, dass Schüler*innen diese falsche Handhabe von uns lernen. Wir fordern verpflichtete Mülltrennung an jeder Schule Österreichs. Zielvorstellung muss die abfallfreie Schule sein.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrerin Gerlinde resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrerin Gerlinde resümiert, was inzwischen geschehen ist: „In immer mehr Schulen kann man/frau an liebevoll gestalteten Plakaten und bunten Behältern sehen, dass engagierte Schüler*innen, Lehrer*innen und oft auch Schulwart*innen mit Unterstützung der Direktionen versuchen, Mülltrennung sinnvoll zu betreiben. Ob ein funktionierendes Mülltrennsystem in den Klassen oder am Flur vorzufinden ist, darf aber nicht vom Engagement einzelner Personen abhängen, sondern muss für alle Schüler*innen sichergestellt sein. Die Schülerinnen nehmen es meist sehr genau mit der Mülltrennung und geraten dabei immer wieder in einen Zwiespalt: Wohin mit dem benutzten Papierbecher und verschmutztem Papier? Hier fehlt es an Wissen und Anleitung!“

Unser Vorschlag für eine Sofortmaßnahme:

Verpflichtende Trenn- bzw. Sammelbehälter sollte es nicht nur für den Restmüll geben, sondern auch für Papier und Verpackungen.
Die Finanzierung dafür darf nicht auf die Schulen abgewälzt werden – wir alle profitieren von nachhaltiger Abfallwirtschaft.

Finanzierung für Ökologisierung - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen darf nicht auf die Schüler*innen oder einzelne Standorte abgewälzt werden. Mitzudenken sind bspw. sowohl bauliche Veränderungen als auch die Förderung nachhaltigen Kantinenessens. Sozioökonomische Ungleichheiten dürfen bei alldem nicht verstärkt, sondern müssen mitgedacht und ausgeglichen werden. Dabei sollte auch beachtet werden, dass es durch klimafreundliche Entscheidungen auch Einsparungspotenzial gibt, etwa langfristig bei Gebäudesanierungen. Wir fordern die Ausfinanzierung von Ökologisierungsmaßnahmen.

Was hat sich seit 2020 getan? Hannes resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? Hannes resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Ein Blick auf die Bildungsausgaben in den Budgetberichten der Jahre 2021 bis 2023 zeigt, dass die Begriffe „Ökologisierung“ und „Klima“ einfach nicht vorkommen. Im Schulentwicklungsprogramm 2020 werden 2,4 Mrd. € für Schulbauten bis 2030 angegeben. Gemäß “Holistic Building Program” sollen zudem keine klimaschädliche Baustoffe verwendet werden. Allerdings bleibt unklar, mit welchem Anteil nachhaltig und energieeffizient gebaut werden soll. Von 2020 bis 2022 haben BMBWF, BIG u.a. an 0,3% der Schulen klimafreundliche Projekte realisiert. Schlussfolgerung: Das ist ein Anfang, aber das Tempo ist weit zu gering und das verfügbare Geld viel zu wenig.“

Was kann sofort passieren?

Betriebskosten und CO2-Bilanz von Schulen erheben und öffentlich machen. Sie stellen die Grundlage für Maßnahmen zur Erreichung eines klimaneutralen Schulbetriebs und die Dokumentation des Fortschritts dar.
Schulerhalter sollten für die Transformation der Schulen zur Klimaneutralität verantwortlich sein.

Klimagerechte Bildung – revisited

Anfang 2024 haben wir uns angesehen, bei welchen unserer Forderungen aus dem Jahr 2020 Verbesserungen oder sogar Verschlechterungen passiert sind. Unterhalb findest du zu jeder der 7 Forderungen zu klimagerechter Bildung eine Analyse, was sich seit 2020 getan hat und was noch zu tun ist.

 

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Klimabildung bereits in der Pflichtschulzeit - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Aktuell bleibt es Lehrer*innen größtenteils selbst überlassen, ob oder in welchem Ausmaß sie über die Klimakrise informieren. Viele Schüler*innen durchlaufen so ihren schulischen Bildungsweg, ohne ein ausreichendes Verständnis für die voranschreitende Krise zu erlangen. Stattdessen müssen alle Aspekte der Klimakrise – naturwissenschaftliche Prozesse bis hin zu ethischen und wirtschaftlichen Aspekten der Klimagerechtigkeit – im Lehrstoff verankert werden. Wir fordern, dass bereits im Laufe der Pflichtschulzeit eine weitreichende Aufklärung über die Klimakrise sowie Klimagerechtigkeit sichergestellt wird und Handlungsoptionen im Umgang mit der Krise erschlossen werden.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS Lehrer Florian resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS Lehrer Florian resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Mit dem Schuljahr 2023/24 treten in VS, MS und AHS-Unterstufe neue Lehrpläne in Kraft. Durch die Verankerung von “Bildung für nachhaltige Entwicklung” (BNE) als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip sollen Schulen zu Modellen für zukunftsfähige Lebensgestaltung werden, an denen die Wirkung des eigenen Handelns erprobt werden kann. Das sind die richtigen Ziele, aber zur Umsetzung fehlen terminisierte Maßnahmenpakete, welche derzeit noch in Bearbeitung sind. Die Angebote von Wettbewerben, Fußabdruckrechnern und unverbindlichen Gütesiegeln sind gut gemeint, aber ihnen fehlt die Kraft, jene Transformation, welche der Lehrplan nun vorgibt, strukturell anzustoßen. „

Was kann sofort passieren?

Es sollte mindestens eine pädagogische Konferenz pro Schuljahr geben, die dem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung gewidmet ist!

Klimagerechtigkeit und Ethik - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Die Auswirkungen der Krise treffen aktuell überproportional Menschen im globalen Süden, also aus Regionen, die nur wenig zur Erderhitzung beigetragen haben. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass die Hauptverursacher der Krise auch die Hauptverantwortung dafür tragen, sie zu bewältigen. Dieses ethische Prinzip muss Schüler*innen im geplanten Fach Ethik und im Religionsunterricht vermittelt werden. Damit ist selbstverständlich nicht die Thematisierung in anderen Gegenständen (GWK, GSPB, …) ersetzt. Wir fordern die Behandlung von Klimagerechtigkeit im neuen Unterrichtsfach Ethik und im Religionsunterricht.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrerin Barbara resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrerin Barbara resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Umweltbildung für nachhaltige Entwicklung ist heute eines von mehreren (fächer)übergreifenden Themen der Lehrpläne. Die Lehrpläne legitimieren also grundsätzlich Klimabildung in allen Fächern, doch alle Themen unterzubringen bleibt ein Ding der Unmöglichkeit. In den einzelnen Fachlehrplänen, z.B. für den Religionsunterricht, finden sich nur einzelne Schlagworte wie „Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit“ und „Erhalt der Schöpfung“. Zudem gibt es heute das Unterrichtsfach Ethik für alle Schüler*innen der Sek. II, die keinen Religionsunterricht besuchen. Im Lehrplan dazu werden „Globale und lokale Umweltthemen, globale Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung, Nachhaltigkeit, Klima“ als konkrete Themen des 1. Jahrgangs genannt. Das Fach ist aber nur als Ersatz für den Religionsunterricht gedacht und erreicht nicht alle Schüler*innen. „

Was wären wichtige Maßnahmen?

Klimabildung sollte im Lehrplan jedes einzelnen Unterrichtsfachs explizit thematisiert werden.
In einem für alle verpflichtenden Fach Ethik und/oder einem eigenen Fach sollte Klimabildung einen Schwerpunkt bilden und die vielfältigsten Aspekte behandeln. Unbedingt gefördert und forciert gehören zudem alternative Konzepte wie der „FreiDay“.

Politische Teilhabe und Engagement - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Die Gesellschaft der Zukunft braucht aktive Gestalter*innen. Daher ist es wichtig, die gesellschaftliche Teilhabe und das Engagement der Schüler*innen zu fördern. Es darf deshalb keine Bestrafung von Schüler*innen für politisches Engagement geben. Stattdessen müssen die Schulen selbst Möglichkeiten für Partizipation schaffen. Wir fordern verstärkte Einbeziehung von Schüler*innen in politische Entscheidungen, auch am Schulstandort.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Karl resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Karl resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Viele Schüler*innen nutzen den Umweltschwer-punkt meiner Schule, um sich zu engagieren: Sie organisieren z.B. Aktionen, sind aktiv beim Klimastreik dabei, oder kommen zu unseren Umwelttreffen. Die meisten solcher Tätigkeiten verrichten sie am Nachmittag, in ihrer Freizeit, obwohl sie damit massiv zur Schulkultur und zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Findet mal eine Aktion am Vormittag statt, muss „versäumter Stoff“ nachgelernt werden; die Schüler*innen sind dann also doppelt belastet – im Gegensatz zu dem, was TFF 2020 gefordert haben. Mein Eindruck ist: Wenn sich in den letzten Jahren hier an einigen Schulen etwas getan hat, so geht das hauptsächlich auf einzelne engagierte Schüler*innen oder Lehrer*innen zurück, aber nicht auf einen systematischen Shift im Bildungswesen.“

Was sollte passieren?

Alle Schüler*innen sollten massiv darin gefördert werden, Verantwortung zu übernehmen, und zwar im Pflichtteil der Stundenpläne – Stichworte dazu: FreiDay, Klimaclub.

Und: Wir Lehrkräfte dürfen uns ruhig mehr trauen – die Lehrpläne geben das her!

Erziehung für den Wandel - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Wir stecken bereits mitten in der Klimakrise, Veränderungen in unserem Lebenswandel sind deshalb nicht nur notwendig, sondern in vielerlei Hinsicht unabwendbar. Die Schule muss die Aufgabe wahrnehmen, Kinder und Jugendliche auf diese Veränderungen vorzubereiten, Althergebrachtes kritisch zu hinterfragen und Offenheit für neue Lebensentwürfe aktiv zu fördern. Wir fordern, dass kreative Lösungskompetenz gefördert sowie die Entwicklung von positiven Zukunftsvisionen und Utopien Teil des Unterrichts werden.

Was hat sich seit 2020 getan? Marietta resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? Marietta resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Die neuen Lehrpläne liefern uns eine sehr gute gesetzliche Basis für einen Unterricht, in welchem Schüler*innen an kreativen Lösungen für die Zukunft arbeiten. Vor allem in den allgemeinen Bildungszielen wird der „Kreativität, um zu neuen Lösungen zu kommen“ eine wichtige Rolle zugesprochen und Schulen sollen „Modelle für eine zukunftsfähige Lebensgestaltung“ werden. Entscheidend ist aber die Frage nach der Umsetzung. Ein erfolgreiches Praxisbeispiel ist das Lernformat FREI-DAY, welches ganz aktuell an Schulen immer weiter Verbreitung findet. Darin arbeiten Schüler*innen vier Stunden pro Woche an selbstgesetzten Zukunftsfragen und erarbeiten im Team Lösungen. Dank Fortbildungen und Vernetzungsmöglichkeiten kann relativ unkompliziert eine andere Art von Unterricht etablieren werden!“

Was kann sofort passieren?

Bildungsdirektionen sollten das Lernformat FREI-DAY aktiv unterstützen und die Umsetzung an allen Schultypen fördern!

Unterrichtsmaterialien auf neuestem Stand - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Geeignete Unterrichtsmaterialien zur Thematisierung und Information über die Klimakrise sind für die Lehre von größter Bedeutung. Jedes Schulfach kann und muss auf diese Inhalte eingehen und konkrete Handlungsoptionen aufzeigen. Dabei ist auch auf die Verwendung von akkuraten Begrifflichkeiten – “Klimakrise” statt “Klimawandel”, sowie “Klimagerechtigkeit” – zu achten. Wir fordern, dass Schulbuchreihen nur unter der Bedingung approbiert werden, dass sie diese Inhalte abdecken.

Was hat sich seit 2020 getan? MS -Lehrerin Luzia resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? MS -Lehrerin Luzia resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Die Auswahl eines Schulbuchs ist seit letztem Jahr besonders frustrierend. Wäre der neue Lehrplan nicht die Chance gewesen, bei der ohnehin notwendigen Überarbeitung, auch das Thema Klimaschutz einzubinden? In 18 Mathematikbuch-Reihen für die 5. Schulstufe fand ich das Thema Klima in nur wenigen Werken – und dann nur am Rande. Als Lehrerin an einer inklusiven Schule müssen die Bücher allerdings bestimmte Kriterien erfüllen, weshalb ich mich letztendlich nicht für das einzige Buch mit Klimaseiten entscheiden konnte. „

In unseren Mathematikbüchern werden Fahrtzeiten und Reisekosten berechnet. Treibstoffverbrauch oder CO2-Ausstoß wird an keiner Stelle kritisch hinterfragt.
Wieso sind andere Themen immer noch dringlicher? Etwa die „umfassende Landesverteidigung“, so dass nun zwei Offiziere in der Schulbuchkommission sitzen? Wer meint, das Thema gehöre ja nicht in die Mathematik, den bitte ich, folgendes zu bedenken: Mathematiker*innen wollen Probleme lösen. Und eines unserer größten Probleme ist der Klimawandel!

Was kann sofort passieren?

Es sollten nur noch Schulbücher zu approbiert werden, die Schwerpunktseiten zum Klimaschutz haben, oder diesen konkret einarbeiten. Über zusätzliche Online-Angebote kann das sofort passieren.

Aus- und Fortbildung - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Es braucht fachlich kompetente Lehrkräfte, um die Klimakrise angemessen im Unterricht zu behandeln. Dies muss einerseits in der Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte sichergestellt werden. Andererseits muss auch der bestehende Lehrkörper an jedem Standort die nötige Expertise, zum Beispiel durch Fortbildungen, erlangen. Wir fordern Maßnahmen, um die Expertise der Lehrkräfte zur Klimakrise auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft abzusichern.

Was hat sich seit 2020 getan? Evi resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? Evi resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Seit dem Erstellen der Forderungen haben sich die Unterstützungsangebote für Lehrende, die sich mit der Klimakrise beschäftigen möchten, laufend erweitert. Nicht nur die Pädagogischen Hochschulen, sondern auch viele private Organisationen bieten Fortbildungen und Workshops für den Unterricht an. Viele dieser Angebote sind kostenlos, wie beispielsweise das Klimapuzzle, mit dem wir schon gute Erfahrungen gemacht haben. Auch TFF bietet hier seit kurzem Unterstützung an, nämlich SchiLFs direkt am Schulstandort. Gleichzeitig gibt es aus den pädagogischen Ausbildungen ambivalente Rückmeldungen. Zwar werden mehr Lehrveranstaltungen angeboten, aber vieles davon ist freiwillig und bekommt nicht den wichtigen Status, den es aufgrund der bedrohlichen Lage haben sollte. „

Was sollte sofort passieren?

Lehrende müssen an ihrem Schulstandort regelmäßig Fortbildungen auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft erhalten und zentral mit altersadäquaten Unterrichtsmaterialien versorgt werden.

Wissenschaft statt klimaschädigendes Lobbying - revisited

Das fordern wir seit 2020:

Als Lehrer*innen vertrauen wir auf wissenschaftliche Erkenntnisse, aufgrund derer seit Jahrzehnten vor den katastrophalen Auswirkungen von erhöhten Treibhausgasemissionen und Umweltzerstörung gewarnt wird. Weltweit werden von etlichen Unternehmen und Organisationen sehr viel Geld und Ressourcen verwendet, um die Klimakrise zu verharmlosen und Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu streuen. Schule muss auf allen Ebenen – Unterrichtsmaterial, Lehrpläne, Werbung usw. – unabhängig von klimaschädigendem Lobbying sein.

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Georg resümiert, was inzwischen geschehen ist:

Was hat sich seit 2020 getan? AHS -Lehrer Georg resümiert, was inzwischen geschehen ist: „Im September 2022 wurde das 10-Punkte-Programm TruSD ins Leben gerufen, das u.a. auch Wissenschaftsvermittlung in der Schule fördert – ein guter Schritt im Kampf gegen wissenschaftsfeindliche Strömungen. Die neuen Lehrpläne für VS, MS und AHS-Unterstufe tragen ebenfalls Positives bei. Dennoch besteht weiterhin das Grundproblem, dass klimaschädliches Lobbying über Unterrichtsmaterial und Werbung nicht aktiv verhindert wird. Gesetzliche Vorgaben wie § 46 SchUG und Rundschreiben 14/2016 bleiben zahnlos, wenn die alleinige Verantwortung zur Prüfung bei den Direktionen liegt. Ein Materialkompass zur unabhängigen Bewertung von Unterrichtsmaterialien und eine aktiv prüfende Stelle für Werbung fehlen hierzulande.“

Was wären wichtige Maßnahmen?

Ein vom Bund finanzierter Materialkompass nach deutschem Vorbild sowie eine unabhängige Stelle für die Überprüfung von Werbung nach § 46 SchUG sollten beschlossen und eingerichtet werden!